Das Plastiktüten ist ein aktuelles Thema. Wird es bald ein Verbot von Plastiktüten geben?

Plastiktüten-Verbot in Deutschland – Das Ende der Plastiktüte?

Das Plastiktütenverbot spaltet Politik und Gesellschaft. Während die einen das Verbot von Plastiktüten als wichtigen Schritt gegen die Vermüllung der Umwelt und der Weltmeere ansehen, sind die Umweltverbände und der Einzelhandel kritisch.

Möchte man die Wegwerfgesellschaft mit einem Gegenstand symbolisch darstellen, so würden viele die Plastiktüte wählen. Durch den Plastikboom der 1980er Jahre angetrieben, hat die Plastiktüte in allen Bereichen des öffentlichen Lebens ihren Platz gefunden. Die Folgen des Plastikbooms sind heute fatal: Es befinden sich gewaltige Müllstrudel in den Ozeanen, Mikroplastik gelangt auf unsere Teller und arme Länder leiden unter den exportierten Müllmengen der Industrieländer. (Einen ausführlichen Beitrag zu den Vor- und Nachteilen von Plastik findest du hier)Obst und Gemüse in mehreren grünen Stoffbeuteln- Das Plastiktütenverbot würde zu einer starken Nachfrage nach Stoffbeuteln führen.

So verwundert es nicht, dass es bereits seit Jahren Forderungen nach einem Plastiktütenverbot gibt. Seit 2015 ist die Plastiktüte in Läden nur noch für einen Aufpreis verfügbar. Viele Läden haben sie daher bereits aus dem Sortiment geworfen und setzen auf Papiertüten und Stoffbeutel.

Wie die momentane Situation in Deutschland aussieht und ob es ein Plastiktütenverbot demnächst geben wird, erfährst du im Folgenden.

 

Sind Plastiktüten verboten?

Derzeit sind Plastiktüten in Deutschland nicht generell verboten.

Der Rat der EU-Mitgliedstaaten hat 21. Mai 2019 die Einweg-Plastik-Richtlinie verabschiedet. Das Bundesumweltministerium unter der Leitung von Svenja Schulze hat daraufhin Mitte 2019 einen Antrag auf das teilweise Verbot von Plastiktüten eingereicht. Dieses wurde im November 2019 vom Bundeskabinett beschlossen. Es muss jetzt noch die Zustimmung im Bundestag bekommen, sowie durch den Bundesrat gehen.

Zwei Äpfel in einer Plastiktüte. Ein Plastiktütenverbot könnte es schon bald geben.Sollte das Gesetz bewilligt werden, würde ein teilweises Plastiktütenverbot in Kraft treten, nach dem der Verkauf von Plastiktüten unter 50 Mikrometer verboten würden. Ausnahme bilden die dünnen Hemdchenbeutel zum Einpacken von Obst und Gemüse. Zudem würden auch Bioplastiktüten sowie Tragetaschen aus biologisch abbaubarem Kunststoff verboten werden, da diese nur bedingt eine umweltfreundliche Alternative darstellen.

Bereits seit 2016 gilt eine Vereinbarung mit dem Handel, dass Plastiktüten nur noch gegen einen Aufpreis ausgegeben werden. Die deutschen Verbraucher nutzen seitdem deutlich weniger Plastiktüten. Im Vergleich zu 2015 ist der Verbrauch um 64 Prozent zurückgegangen. Auf jeden Deutschen kommen somit noch 20 Plastiktüten pro Jahr statt 68 Tüten pro Kopf in 2015.

Warum gibt es kein generelles Verbot von Plastiktüten?

Die geltende EU-Richtlinie sieht ein paar Ausnahmen beim Plastiktütenverbot vor. Beutel mit einer Wandstärke von weniger als 15 Mikrometern, die Hemdchenbeutel, dürfen weiterhin verkauft bzw. genutzt werden. Als Gründe werden hygienische Bedenken sowie die Angst vor einem Wechsel der Obst- und Gemüsehersteller zu standardmäßig in Plastik verpackten Produkten. Letzteres würde die Plastikproduktion voraussichtlich sogar erhöhen.

Zwei Plastiktüten werden vom Wind in ein Feld geweht.Der Handelsverband HDE kritisiert das Plastiktütenverbot. Die 2015 vereinbarte Selbstverpflichtung, nach der alle Händler Plastiktüten nur gegen einen Aufpreis ausgeben, ist nach Ansicht des HDE ausreichend. Grund für die Selbstverpflichtung war ein Gesetz des Europäischen Parlaments, welches die Mitgliedsländer zur Reduktion der Plastiktüten um 80 % zwischen 2010 und 2019 verpflichtete.

Umweltverbänden, wie NABU oder WWF, sehen den Gesetzesentwurf auch kritisch. Für den NABU geht das Gesetz nicht weit genug. Der Naturschutzbund hätte zudem gerne ein stärkeres Vorgehen gegen Einweg-Papiertüten sowie eine Reduktion von Kunststoffen im Online-Handel. Der WWF befürchtet, dass die Verbraucher auf die dünnen Hemdchenbeutel ausweichen werden.

Werden Plastiktüten bald verboten?

Wie bereits oben erwähnt, läuft derzeit noch ein Gesetzesentwurf durch die politischen Instanzen. Sollte dieser bewilligt werden, könnte es bereits in 2020 ein Verbot für die Plastiktüten geben. Ausgenommen blieben die Hemdchenbeutel.

Der Henkel einer PapiertüteDie Grünen fordern bereits ein komplettes Verbot von Einwegtaschen. Dieses würde neben den Plastiktüten auch für Papiertüten gelten. Der Aktionsplan gegen den Plastikmüll der Grünen sieht eine Halbierung des Verpackungsabfalls auf 110 kg pro Kopf vor sowie eine erhöhte Abgabe für umweltschädliche Wegwerfprodukte wie Plastiktüten oder Coffee-to-go-Becher.

Der CSU-Chef Markus Söder setzt sich in Bayern für ein Verbot von Einwegplastiktüten ein, sowie einen weitgehenden Plastikverzicht der bayrischen Kommunen.

Ob ein komplettes Verbot von Plastiktüten im Einzelhandel kommt ist derzeit ungewiss, aber nicht unwahrscheinlich. Das EU-Parlament hat im März 2019 beschlossen, Wegwerfprodukte aus Plastik ab 2021 zu verbieten. Darunter fallen der Verkauf von Einwegbesteck, Wattestäbchen und Strohhalmen aus Plastik.

Was ist die beste Alternative zur Plastiktüte?

Sollte das Verbot von Plastiktüten kommen, gibt es zwei Alternativen. Diese stellen wir dir im Folgenden kurz vor.

Die Papiertüte

Ein Baguette in einer Papiertüte beim Frühstück.Die Papiertüte ist spätestens seit der Selbstverpflichtung der Einzelhändler in 2015 in jedem Laden zu finden. Ob sie die bessere Alternative sind, ist fraglich. Zum jetzigen Zeitpunkt jedenfalls noch nicht. Die Papiertüten bestehen größtenteils aus Frischfasern, statt aus echtem Altpapier. Laut NABU müssen Papiertüten mindestens dreimal so oft genutzt werden wie eine Plastiktüte, damit ihre Klimabilanz ausgeglichen ist.

Der Stoffbeutel

Die Nutzung von Stoffbeuteln lohnt sich nur bei häufiger Verwendung. Nach NABU muss ein Stoffbeutel zwischen 50 bis 150 Mal genutzt werden, um eine positive Ökobilanz zu erzielen. Stoffbeutel für den Transport deines Einkaufs findest du in den verschiedensten Variationen im Internet und den meisten Läden.Obst und Gemüse in einem weißen Obstbeutel

Um Obst und Gemüse einfach transportieren zu können, nutzen wir zwei kleine Obstbeutel*. Zusammengefaltet nehmen sie kaum Platz im Rucksack oder sogar der Jackentasche ein.

Für Brot verwenden wir diese Brottaschen aus Baumwolle*. Wir nutzen sie schon seit gut zwei Jahren und sind voll zufrieden. Damit verhindern wir jede Menge Müll an Papier- und Plastiktüten beim Bäcker.

Falls du nicht für alles eine eigene Verpackung haben und damit etwas flexibler sein möchtest, empfehlen wir dir diese Bio-Stoffbeutel aus Baumwolle*.

Fazit

Wahrscheinlich wird es in den nächsten Jahren zu weiteren Verboten von Plastikprodukten kommen. Die Plastiktüten stellen nur den Anfang dar. Der Gesetzesentwurf von Umweltministerin Svenja Schulze ist ein Schritt in die richtige Richtung. Es sollte aber nicht der letzte Schritt sein. Nur durch die Erhöhung des Altpapieranteils in Papiertüten oder mehrfache Nutzung von Stoffbeuteln ist ein umweltschonender und nachhaltiger Übergang möglich.

Was denkst du? Reichen die bisherigen Maßnahmen aus oder sollte die Politik noch schärfere Vorgaben machen? Wir sind gespannt auf deine Sicht.

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